9783939832782 Schraml SCHNITZER STUMPF |

Lieferbar: ISBN 978-3-939832-78-2 | Katja Schraml | Josef der Schnitzer Stumpf ||| KUUUK Verlag mit 3 U | Erhältlich als Papierbuch und als E-Book

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Katja Schraml
Josef der Schnitzer Stumpf
Roman

1999, 2000. Bayern, Berlin. Der ewig zerrissene Mensch und ein Jahrtausendwechsel. Unser Mann im Pfuhl ist Josef Stumpf, Tischler, arbeitslos, müde von der Enge der überschaubaren Gemeinschaft … stets im Kopf alle berühmt-berüchtigten Leichen seiner Heimat. „Das Dorf“ lebt. Ja, auch das Weib. Die Gemeinschaft fordert die Eingliederung des Individuums, die rest- und bedingungslose Anpassung. Raus muss er da, weg will er: nach Berlin! Hinein in die saugende Metropole

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„Die Stadt“ als Anonymität der Masse – zudem mit einer ganz anderen Sprache. Josef ist nun umso mehr der dialektale Exilant: Er muss ankommen, reinkommen, durchkommen. Was hat zu geschehen, inmitten von Alltags-Verstrickungen um miese Wohnung, starre Arbeitsagentur, laue Bekanntschaften, seltsame Menschen? Die Stadt ist Hamsterin, ewig hungernde Hungrige, Nagerin, Rastlose: Sie packt ihn, nimmt ihn, sie spuckt ihn wieder aus; hat stets noch neue Leichen parat. Der Moloch Berlin. Auch sein Bayern ruft immer wieder. Ist er angekommen? Sünden rufen, Ängste quälen, Ideen locken. Da zieht der Schnitzer von Berlin (alias „Bärlin“), sein Leben improvisierend, durch die Straßen der Großstadt. Einer mehr im Meer.

Im steten Exil das Durchwandern einer möglichen und unmöglichen Existenz. Räume. Welten. Systeme. Der Moder der Gehöfte und der Müll der großen Stadt bilden den stinkenden Urdunst dieses Romans, in dem das Leben sich stetig vor- und wieder rückbewegt, alles verarbeitend, vereinnahmend, Hoffnungen machend, das Scheitern besingend. Aufrappeln, Aufstampfen. Josef will weiter.

In einer ungewohnten, neuartigen und „eigensinnig“ zu nennenden Sprache – voller Witz, Ironie, Tücke und Klugheit – verfolgen zwei Erzählstimmen diesen Helden des Antiheldentums, jenen „Schnitzer“ Josef Stumpf, beim Jahrtausendwechsel 1999/2000 durch Dorf und Stadt. Es rauscht die Provinz und lärmt die Welt. Man spürt was von Untergang, Aufbruch, Dämmerung. Was wird werden? Josef, was tust du nur?

MAN LESE DAS INTERVIEW MIT KATJA SCHRAML AUF „DAS DEBÜT“ LINK Interviewerin war Janine Gremmel

Katja Schraml, geboren 1977 in Bayern, wächst auf dem Land auf. Lehre als Bauzeichnerin. Erste Versuche, die Welt in Wort und Bild zu fassen: Gedichte und Zeichnungen. Mit zwanzig der Umzug nach Berlin, Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg. Vertiefung des Schreibens und Skizzierens: Vielfalt, Gegensätze, Brüche. Studium der Literatur, Sprachwissenschaft und Soziologie in Würzburg. Erste Erzählungen und Fotografien: Stabilität und Struktur. 2007 schließlich der Zurückzug nach Berlin. Lektorat und Biografiearbeit: Erinnerung und Geschichte. Seit einigen Jahren nun fest in der Veranstaltungsorganisation tätig, daneben allzeit und andauernd das Leben sprachlich und bildlich einfangen, analysieren, bewältigen: Spiegel, System, Sicherheit. Josef der Schnitzer Stumpf ist ihr erster Roman.

INFO zum BUCH

EAN 978393983782
ISBN 978-3-939832-78-2
Bestellnummer bei KUUUK 832782

Das Papierbuch erschien am 12. Mai 2015, LESEPROBE ONLINE, und das zusätzliche E-BOOK dazu am 1. Juni 2015.

ca. 15,1 cm breit x 21,4 cm hoch
Hardcover
ca. 716 Gramm
484 Seiten
ca. 3,4 cm dick (Buchrücken)

Bestellnummer: 832782 für das Buch JOSEF DER SCHNITZER STUMPF

PREIS [D] € 32,00 [A] € 32,90

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FÜR WEN KÖNNTE DAS BUCH (dieser Roman „Josef der Schnitzer Stumpf“) INTERESSANT SEIN?
Zum Beispiel für:
1. Alle Menschen, die sich für moderne Literatur in einer neuen und ganz besonderen Sprache interessieren.
2. Alle Menschen, die sich für Menschen interessieren, die vom Dorf in eine Metropole ziehen bzw. flüchten.
3. Alle Menschen, die sich für Bayern und das dörfliche Leben (in Literatur verarbeitet) interessieren.
4. Alle Menschen, die sich für Romane interessieren, deren „Setting“ Provinz und Metropole, also beides, ist.
5. Alle Menschen, die sich für Romane interessieren, wo die Metropole und das Erleben der Metropole Berlin beschrieben werden.
6. Alle Menschen, die sich für Romane interessieren, in denen es um den Jahrtausendwechsel 1999/2000 geht.
7. Alle Menschen, die sich für das Thema Exil oder Exilant interessieren: Aber ein Deutscher als Exilant unter anderen Deutschen, ein Mensch unter anderen.
8. Alle Menschen, die sich für dörfliches und städtisches Leben in aller Vielfalt, Gewalt und Widersprüchlichkeit interessieren.
9. Alle Menschen, die etwas über Beziehungen eines frisch in die Metropole zugewanderten, eher einfachen Mannes erfahren wollen.
10. Alle Menschen, die auch über deutsch-regional-interkulturelle Probleme (ein Bayer in Berlin) etwas erfahren möchten.
11. Alle Menschen, die sich für die Entwicklung und Veränderung einer Person interessieren.

Einzelne ZITATE aus dem KATJA-SCHRAML-Roman JOSEF DER SCHNITZER STUMPF:

Es wechseln IM ORIGINAL-BUCH immer wieder 2 Schriften/Fonts = 2 Stimmen.
[ Auf dieser Seite hier ist es aber aus technischen Gründen derzeit nur 1 Schrift/Font ]

 Wie auch der Un-Wille über die Maßen Josefs Brust heben mag, den Körper einzwängt unter des Bettes Gestell, dass beide platzen und bersten möchten. Wie sich auch: Der Magen verkrampft, die Sehnen spannen, die Muskeln schwellen, die Fäuste gegen das Holz stemmen, die Lider pressen, das Antlitz verzerrt. Wie er sich auch anstrengt aufbäumt luftschnappt. Schließlich und endlich, weil so ists
 recht, so haben wir dich gern, so bist du brav:
 Reißt sich der Kerl zusammen, reißt sich zusammen, reißt.

 Der Exilant ist ungezähmt, unruhig, unzufrieden. Mit anderen Worten: eigen, anstrengend, gefährlich. Gegen Fortschritt hat man nichts, wenn er im Rahmen, Maßen, geneigt, bedächtig, angemessen, wohlüberlegt – wenn überhaupt. Aber wer gern verändert, bricht leicht. Selbst und Dinge. Der verwurzelt nicht. Das ist das Schicksal des Exilanten: Meist bleibt er ewig auf der Suche.

Obwohl die Frau nach nur ein paar Monaten auf mist mister mysteriöse Weise im Wald verschwand, wobei niemand was Genaues oder annähernd auch nur Näheres dazu zu sagen gewusst hätte oder heute wissen könnte oder wollen würde, hinterließ die BIXN dem Hof den Namen ihres Wesens oder ihres Gewordenseins, wodurch aus dem Anwesen mit der Zeit durch sprachliche Unreinheit der Benznhof wurde. Natürlich kann es auch ganz einfach die Tatsache gewesen sein, dass sich der Opa vom Josef schon in jungen Jahren einen Benz gekauft hat, ohne dass sich einer der anderen Dorfbewohner hätte vorstellen können, wie er sich das hat leisten können (außer dem Schirmer, der aber lieber nichts sagte), auf dass dem Hof solch ein Name angedichtet wurde. Aber das sei dahingestellt. So weit mehr oder weniger die Historie, die oral tradierte, nun für immer fest geschriebene, wahre –
 oder nun, na, sagen wir: wahrscheinlich wahrheitsgetreue.

 Der Peter, der aus dem Nachbardorf Herübergezogene, Zugewanderte, Eingeheiratete, gehört zur zweiten von Kindheit an generierten Randgruppe im dialektalen Gebiet: zu den indialektalen Außenseitern. Seine Mutter, modern und jung, erzog das Kind hochsprachlich, wo alle nur Dialekt kannten. Peter bot den Mitschülern den perfekten Angriffspunkt, er stand außerhalb des Systems. Während Josef nichts verstand, konnte Peter sich nicht verständlich machen.

 Warum flieht der Exilant? Er flüchtet sich hinein, hinaus, manchmal sein Leben lang, das ist sein Schicksal, oft wird er niemals sesshaft, war es nie. Der dialektale Exilant, Flüchtling aus einem stark dialektbehafteten ländlichen Gebiet innerhalb Deutschlands, zieht aus, um … – ja was? Warum? Warum eigentlich, Josef ? Was ist denn dein Problem? Warum willst du weg? Warum packst du dein Päckchen? Und überhaupt: Warum ist der Rucksack so schwer? War er das gestern schon?

 Nicht die geheime Beichte, die manche zelebrieren, entlastet das gesellschaftliche Gewissen, nur das öffentliche Bekenntnis der eigenen Verfehlung. Weil das niemand tut, handelt die Gemeinschaft als Stellvertreter, zerrt die Leichen der Nachbarn ans Licht, gegenseitig hält man sich die Funde unter die Nase und vor, und schon ist der Hunger gestillt, schon hat man sich gegenseitig befreit, schafft gemeinsam den gesamten Haufen fort in den Wald, wo er unter einsam stehenden Bäumen verscharrt wird, und stärkt so im sozialen Miteinander die gemeinschaftliche Moral und stabilisiert das Fundament. Jetzt kann man Gras über die Sache wachsen lassen. Frag nicht mehr nach. Lass die Toten ruhen. Und grab nicht wo, wo du nichts verloren hast. Kehr vor deiner eigenen Tür. Wer hat es erfunden, das gesellschaftliche Wissen im Sprachgut der Allgemeinplätze? Wer?

 Wenn einer der Dorfangehörigen von einer Leiche eines anderen erfährt, die niemand sonst kennt, wird er nicht zögern, diesen Umstand allen auf eine bestimmte Art und Weise zu offenbaren: Er petzt. Entgegen den ritualisierten gemeinschaftlichen Faschingsaustrieben nimmt er die Gerechtigkeit Gerichtsbarkeit selbst in die Hand. Er bricht in dessen Keller ein, ergreift die Leiche, steigt nach oben, trägt sie aufs Dach, dort pflanzt er sie auf, hängt sie fahnengleich an den Mast, dass sie wedele und wackele in alle Winde.

 Josefs Sinne werden geblendet, überall rauscht es, wimmelt es von Plakaten und Werbeträgern, überall glitzert es. Der Automat, an dem er steht, fängt an Musik zu spielen, von hinten dröhnt es durch die Muskeln hindurch, die Wirbelsäule hinauf, hinein ins Gehirn windet sich der Schlager, der schlägt,
 kauf Josef, Raider Spider Man, kauf, iss, trink, Kokain und Fanta Fantasia, komm, kauf mich, nimm mich, steck mich ein, hinten rein, vorne blinkt es, oben winkt es, da ruft es, lacht, vor allem, lacht es, froh ist es, das Kind, die Eltern, froh und Gluck Gluck glücklich sind sie, rauchend saufend, komm, Josef, komm, zieh mich an, von unten her dröhnt es, aus den Läden, den Einkaufspassagen, von gegenüber, Kaufland Karstadt Kaufhof, kauf mich, Josef, kauf! Die Stadt schreit, die Stadt lacht, die Stadt kracht, hier ist alles zu haben, die Stadt verkauft sich selbst, ein Ort und ein Leben wie gemacht für Erlebnissüchtige, Extravagante, Egozentrische, Künstler, Arbeitsscheue, Pack und Gesindel, Erben, Millionäre und Devotionaliensammler.

 Da fliegt die Tür auf, dass sie kracht nach 160 Grad Umdrehung an die Gefriertruhe, wo das Eis vom letzten Sommer vor sich hinfriert. Der Jager tritt mit seiner Beute in den Eingang. Dass das was Wichtiges sein muss und nicht nur große Show, wie sie der Jager manchmal gerne gibt, sieht man seiner Mimik an, die voller Blähung drückt, wie seine gesamte Statur. Brüder, fängt der Wurst an, sieht aber in dem Moment den Peter hinten auf der Bank sitzen und verstummt.

 Es riecht nach nichts. Es riecht nach allem und nach nichts. Nach Schweiß und Staub und Kohlendreck, nach Koffern, neuen, und Säcken, alten, nach Gummi Plastik Kunststoff Teer, und nach Rauch und Schmauch, weil jemand schon wieder den Abfalleimer angezündet hat, aus Versehen natürlich. Es duftet nach Brezeln und Gebäck, das eine junge Frau in der Mitte des Bahnsteiges in einen Verkaufskäfig eingesperrt nach außen hin durch ein Guckloch verkauft, da dringt ein dichter Schleierweier Schwarm Fettbrutzelei heraus, es riecht nach Socken, das sind deine, und nach Putzmittel aus dem Eimer des Putzmannes mit der orangenen Sicherheitsweste, der um Josefs Rucksack herum den Dreck auf Haufen fegt und wie die Moserin dabei gern zwischendurch den Stab hoch in die Luft schwingdingt.

 Eingekeilt eingehängt eingeschlossen in eine Horde Jugendlicher, die hüpfen und springen und toben im Kreis, im Takt der lauten Schlager, ein Flipper flippt aus, der wirft sich in den Zirkel, klatscht an die Menge, die schlägt zurück, wirft in den Ring, der fliegt zur anderen Seite, da warten schon Hände, die schubsen zurück, die schleudern und schwingen den Mann, bis er nicht mehr kann, durch den Menschenkreis, die poken Pokemon, Ping Pong, Pin Pal die Kugel links rechts, da sackt er zusammen, hängt fest, in den Menschenästen gefangen, da wird die nächste Münze in den Schlitz gesteckt, die nächste Kugel aus dem Kreis gestoßen, in die Arena geworfen, der rennt um sein Leben, das ist Josef, Josef, zwischendrin, hoppla, lass doch mal, he, was denn, au, he! Der wird jetzt geworfen, hin und her fliegt die Kugel, stößt an die Menge, da strecken sich Hände entgegen, klatschen ab, watschen ab, zurück auf die andere Seite, im Kreis, immer im Kreis, da wird er geworfen, der Spielball, fliegt der Junge ins Zentrum, hoch in die Luft hinaus.

 Eingezwängt in den Käfig eines Großcontainers voller Irrer bleibt der dialektale Exilant anonym und hält sich fern von den Nachbarn, deren Geräusche er lieber erträgt, ohne sie dem Einzelnen zuordnen zu können. Damit fühlt er sich ein wenig als freier Mensch unter freien Menschen, wo ein jeder tun kann (fast), was er gern möchte.

Jetzt ignoriert man ihn. Er ist nicht mehr Josef. Er ist ein Typ, der schreit. Davon gibt es genug. Da gibt es einen Typen, der von U-Bahnwagen zu U-Bahnwagen läuft und dabei „Motz“ schreit. Da gibt es einen, der am Kotti steht und „Drogen Heil“ schreit. Da gibt es einen Typen, der beim Karstadt die Tür aufhält und sich verbeugt und „Eintritt frei“ schreit. Da gibt es einen, der die Hermannstraße rauf und runterläuft und vor sich hin „Du Schlampe“ schreit. Da gibt es einen, der einen Papagei auf der Schulter trägt, der „Frieden“ schreit. Da gibt es einen Typen, der nicht nach oben sieht sondern nur in den Boden hineinstarrt, alle Leute aus dem Weg drängt und „Aah“ schreit.

 Und mit einem Male springt wie eine Klinge aus der Scheide der Funke der Erleuchtung in Josefs Gehirn und erhellt seine trüben Gedanken.
 Ich bin ein Schnitzer!
 Was?
Der Bauchladenbesitzer steht immer noch da.

 Was ist ein typischer Lebensentwurf für den dialektalen Exilanten? Künstler natürlich. Josef wird ein Künstler. Was für ein Künstler kann Josef, der Tischler, aus dem kleinen Dorf in Bayern mit den vier Straßengliedern ohne Markierung Richtung Süd-Ost und Nord-West sowie Nord-Ost und Süd-West werden?

 Heiligabend. Na, das würde was werden.
 Der dialektale Exilant kennt das Zeremoniell, es ist eingespeichert in sein Gehirn, es gibt einen Plan, dem hat er zu folgen wie jedes Familienmitglied, ob er will oder nicht, es gibt keinerlei Abweichungen. Nur, weil er wegging von daheim, heißt es noch lange nicht, dass er nun anders handeln kann. Er muss sich einfügen, ein- und anpassen für die Zeit, die er zurückkommt, darf nicht verrücken, verschieben, das tat er zu oft, das ist nun vorbei.

 Ist ja auch egal. Was die Leute eben so reden. Du weißt doch, wie sie sind.
 Ja.
 Boshaft.
 Ja.
 Tiefes Ein- und Ausatmen auf beiden Seiten.
 Was reden sie denn?
 Na, so Zeug halt. Gemeine Sachen.
 Was denn? Jetzt sag doch! (Verlangt Josef tatsächlich von der Mutter. Dass sie ausspreche, was die anderen Schlimmes sagen. Josef! Du müsstest es doch besser wissen.)
 Na, sie haben alle gedacht, weil du so schnell verschwunden bist …

 Wenn die Leute einen schon so fragend ansehen, als ob sie hier jeden kennten. Und dir ansehen, dass du nicht dazu gehörst. Schon rein kleidungstechnisch fällst du doch auf. Kiezkarokord. Hat sich das nicht jetzt mal überholt? Hast du schon neue Schuhe? Nein? Jetzt wirds aber Zeit. Was ist, wenn die jetzt anhält und dich ohne Umschweife fragt: Was treibst du denn hier? Wie bist du hier reingekommen?
 Josef tritt zur Seite und lässt die Dame vorbei. Da bleibt man mal lieber auf der Malve. Was war das noch? Malventee? Kräuterlimonade? Erkältungsbad? Wo sind wir denn hier? Geradeaus steuert Josef auf einen Zaun zu, der eisenstangenbewährt: Wer ist hier jetzt eingesperrt, du oder ich? Im Wohlstandsgürtel eingehakt und festgezurrt. Wie kommt man jetzt da wieder raus?

   … ach Josef, was red ich nur, es hilft ja doch nichts. Es bringt nichts. SEIS DRUM.
  Alles, was ich dir sagen kann und worum ich dich bitte, inständig, Josef, komm nicht zurück. Geh deinen Weg.
  Ich wünsch dir von Herzen alles Gute, viel Glück und Gesundheit, NIX FÜR

 Nun, mein Herr Stumpf? Wie gehts wie stehts? Jetzt ist es Zeit, abzurechnen. Wir haben da noch was offen, erinnerst du dich? Ankommen, Loslassen, Ein­ leben, Entfalten, Runterkommen, Wiederhochkommen. Und nun? Wie sieht es aus? Existenzsicherung Persönlichkeitsentwicklung Talententfaltung? Was hast du geleistet, erreicht, erwirtschaftet? Was kannst du vorweisen? Was kannst du mir geben?
 Was heißt das nun: Leben?

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 Wie auch der Un-Wille über die Maßen Josefs Brust heben mag, den Körper einzwängt unter des Bettes Gestell, dass beide platzen und bersten möchten. Wie sich auch: Der Magen verkrampft, die Sehnen spannen, die Muskeln schwellen, die Fäuste gegen das Holz stemmen, die Lider pressen, das Antlitz verzerrt. Wie er sich auch anstrengt aufbäumt luftschnappt. Schließlich und endlich, weil so ists
 recht, so haben wir dich gern, so bist du brav:
 Reißt sich der Kerl zusammen, reißt sich zusammen, reißt.

 Der Exilant ist ungezähmt, unruhig, unzufrieden. Mit anderen Worten: eigen, anstrengend, gefährlich. Gegen Fortschritt hat man nichts, wenn er im Rahmen, Maßen, geneigt, bedächtig, angemessen, wohlüberlegt – wenn überhaupt. Aber wer gern verändert, bricht leicht. Selbst und Dinge. Der verwurzelt nicht. Das ist das Schicksal des Exilanten: Meist bleibt er ewig auf der Suche.

Obwohl die Frau nach nur ein paar Monaten auf mist mister mysteriöse Weise im Wald verschwand, wobei niemand was Genaues oder annähernd auch nur Näheres dazu zu sagen gewusst hätte oder heute wissen könnte oder wollen würde, hinterließ die BIXN dem Hof den Namen ihres Wesens oder ihres Gewordenseins, wodurch aus dem Anwesen mit der Zeit durch sprachliche Unreinheit der Benznhof wurde. Natürlich kann es auch ganz einfach die Tatsache gewesen sein, dass sich der Opa vom Josef schon in jungen Jahren einen Benz gekauft hat, ohne dass sich einer der anderen Dorfbewohner hätte vorstellen können, wie er sich das hat leisten können (außer dem Schirmer, der aber lieber nichts sagte), auf dass dem Hof solch ein Name angedichtet wurde. Aber das sei dahingestellt. So weit mehr oder weniger die Historie, die oral tradierte, nun für immer fest geschriebene, wahre –
 oder nun, na, sagen wir: wahrscheinlich wahrheitsgetreue.

 Der Peter, der aus dem Nachbardorf Herübergezogene, Zugewanderte, Eingeheiratete, gehört zur zweiten von Kindheit an generierten Randgruppe im dialektalen Gebiet: zu den indialektalen Außenseitern. Seine Mutter, modern und jung, erzog das Kind hochsprachlich, wo alle nur Dialekt kannten. Peter bot den Mitschülern den perfekten Angriffspunkt, er stand außerhalb des Systems. Während Josef nichts verstand, konnte Peter sich nicht verständlich machen.

 Warum flieht der Exilant? Er flüchtet sich hinein, hinaus, manchmal sein Leben lang, das ist sein Schicksal, oft wird er niemals sesshaft, war es nie. Der dialektale Exilant, Flüchtling aus einem stark dialektbehafteten ländlichen Gebiet innerhalb Deutschlands, zieht aus, um … – ja was? Warum? Warum eigentlich, Josef ? Was ist denn dein Problem? Warum willst du weg? Warum packst du dein Päckchen? Und überhaupt: Warum ist der Rucksack so schwer? War er das gestern schon?

 Nicht die geheime Beichte, die manche zelebrieren, entlastet das gesellschaftliche Gewissen, nur das öffentliche Bekenntnis der eigenen Verfehlung. Weil das niemand tut, handelt die Gemeinschaft als Stellvertreter, zerrt die Leichen der Nachbarn ans Licht, gegenseitig hält man sich die Funde unter die Nase und vor, und schon ist der Hunger gestillt, schon hat man sich gegenseitig befreit, schafft gemeinsam den gesamten Haufen fort in den Wald, wo er unter einsam stehenden Bäumen verscharrt wird, und stärkt so im sozialen Miteinander die gemeinschaftliche Moral und stabilisiert das Fundament. Jetzt kann man Gras über die Sache wachsen lassen. Frag nicht mehr nach. Lass die Toten ruhen. Und grab nicht wo, wo du nichts verloren hast. Kehr vor deiner eigenen Tür. Wer hat es erfunden, das gesellschaftliche Wissen im Sprachgut der Allgemeinplätze? Wer?

 Wenn einer der Dorfangehörigen von einer Leiche eines anderen erfährt, die niemand sonst kennt, wird er nicht zögern, diesen Umstand allen auf eine bestimmte Art und Weise zu offenbaren: Er petzt. Entgegen den ritualisierten gemeinschaftlichen Faschingsaustrieben nimmt er die Gerechtigkeit Gerichtsbarkeit selbst in die Hand. Er bricht in dessen Keller ein, ergreift die Leiche, steigt nach oben, trägt sie aufs Dach, dort pflanzt er sie auf, hängt sie fahnengleich an den Mast, dass sie wedele und wackele in alle Winde.

 Josefs Sinne werden geblendet, überall rauscht es, wimmelt es von Plakaten und Werbeträgern, überall glitzert es. Der Automat, an dem er steht, fängt an Musik zu spielen, von hinten dröhnt es durch die Muskeln hindurch, die Wirbelsäule hinauf, hinein ins Gehirn windet sich der Schlager, der schlägt,
 kauf Josef, Raider Spider Man, kauf, iss, trink, Kokain und Fanta Fantasia, komm, kauf mich, nimm mich, steck mich ein, hinten rein, vorne blinkt es, oben winkt es, da ruft es, lacht, vor allem, lacht es, froh ist es, das Kind, die Eltern, froh und Gluck Gluck glücklich sind sie, rauchend saufend, komm, Josef, komm, zieh mich an, von unten her dröhnt es, aus den Läden, den Einkaufspassagen, von gegenüber, Kaufland Karstadt Kaufhof, kauf mich, Josef, kauf! Die Stadt schreit, die Stadt lacht, die Stadt kracht, hier ist alles zu haben, die Stadt verkauft sich selbst, ein Ort und ein Leben wie gemacht für Erlebnissüchtige, Extravagante, Egozentrische, Künstler, Arbeitsscheue, Pack und Gesindel, Erben, Millionäre und Devotionaliensammler.

 Da fliegt die Tür auf, dass sie kracht nach 160 Grad Umdrehung an die Gefriertruhe, wo das Eis vom letzten Sommer vor sich hinfriert. Der Jager tritt mit seiner Beute in den Eingang. Dass das was Wichtiges sein muss und nicht nur große Show, wie sie der Jager manchmal gerne gibt, sieht man seiner Mimik an, die voller Blähung drückt, wie seine gesamte Statur. Brüder, fängt der Wurst an, sieht aber in dem Moment den Peter hinten auf der Bank sitzen und verstummt.

 Es riecht nach nichts. Es riecht nach allem und nach nichts. Nach Schweiß und Staub und Kohlendreck, nach Koffern, neuen, und Säcken, alten, nach Gummi Plastik Kunststoff Teer, und nach Rauch und Schmauch, weil jemand schon wieder den Abfalleimer angezündet hat, aus Versehen natürlich. Es duftet nach Brezeln und Gebäck, das eine junge Frau in der Mitte des Bahnsteiges in einen Verkaufskäfig eingesperrt nach außen hin durch ein Guckloch verkauft, da dringt ein dichter Schleierweier Schwarm Fettbrutzelei heraus, es riecht nach Socken, das sind deine, und nach Putzmittel aus dem Eimer des Putzmannes mit der orangenen Sicherheitsweste, der um Josefs Rucksack herum den Dreck auf Haufen fegt und wie die Moserin dabei gern zwischendurch den Stab hoch in die Luft schwingdingt.

 Eingekeilt eingehängt eingeschlossen in eine Horde Jugendlicher, die hüpfen und springen und toben im Kreis, im Takt der lauten Schlager, ein Flipper flippt aus, der wirft sich in den Zirkel, klatscht an die Menge, die schlägt zurück, wirft in den Ring, der fliegt zur anderen Seite, da warten schon Hände, die schubsen zurück, die schleudern und schwingen den Mann, bis er nicht mehr kann, durch den Menschenkreis, die poken Pokemon, Ping Pong, Pin Pal die Kugel links rechts, da sackt er zusammen, hängt fest, in den Menschenästen gefangen, da wird die nächste Münze in den Schlitz gesteckt, die nächste Kugel aus dem Kreis gestoßen, in die Arena geworfen, der rennt um sein Leben, das ist Josef, Josef, zwischendrin, hoppla, lass doch mal, he, was denn, au, he! Der wird jetzt geworfen, hin und her fliegt die Kugel, stößt an die Menge, da strecken sich Hände entgegen, klatschen ab, watschen ab, zurück auf die andere Seite, im Kreis, immer im Kreis, da wird er geworfen, der Spielball, fliegt der Junge ins Zentrum, hoch in die Luft hinaus.

 Eingezwängt in den Käfig eines Großcontainers voller Irrer bleibt der dialektale Exilant anonym und hält sich fern von den Nachbarn, deren Geräusche er lieber erträgt, ohne sie dem Einzelnen zuordnen zu können. Damit fühlt er sich ein wenig als freier Mensch unter freien Menschen, wo ein jeder tun kann (fast), was er gern möchte.

Jetzt ignoriert man ihn. Er ist nicht mehr Josef. Er ist ein Typ, der schreit. Davon gibt es genug. Da gibt es einen Typen, der von U-Bahnwagen zu U-Bahnwagen läuft und dabei „Motz“ schreit. Da gibt es einen, der am Kotti steht und „Drogen Heil“ schreit. Da gibt es einen Typen, der beim Karstadt die Tür aufhält und sich verbeugt und „Eintritt frei“ schreit. Da gibt es einen, der die Hermannstraße rauf und runterläuft und vor sich hin „Du Schlampe“ schreit. Da gibt es einen, der einen Papagei auf der Schulter trägt, der „Frieden“ schreit. Da gibt es einen Typen, der nicht nach oben sieht sondern nur in den Boden hineinstarrt, alle Leute aus dem Weg drängt und „Aah“ schreit.

 Und mit einem Male springt wie eine Klinge aus der Scheide der Funke der Erleuchtung in Josefs Gehirn und erhellt seine trüben Gedanken.
 Ich bin ein Schnitzer!
 Was?
Der Bauchladenbesitzer steht immer noch da.

 Was ist ein typischer Lebensentwurf für den dialektalen Exilanten? Künstler natürlich. Josef wird ein Künstler. Was für ein Künstler kann Josef, der Tischler, aus dem kleinen Dorf in Bayern mit den vier Straßengliedern ohne Markierung Richtung Süd-Ost und Nord-West sowie Nord-Ost und Süd-West werden?

 Heiligabend. Na, das würde was werden.
 Der dialektale Exilant kennt das Zeremoniell, es ist eingespeichert in sein Gehirn, es gibt einen Plan, dem hat er zu folgen wie jedes Familienmitglied, ob er will oder nicht, es gibt keinerlei Abweichungen. Nur, weil er wegging von daheim, heißt es noch lange nicht, dass er nun anders handeln kann. Er muss sich einfügen, ein- und anpassen für die Zeit, die er zurückkommt, darf nicht verrücken, verschieben, das tat er zu oft, das ist nun vorbei.

 Ist ja auch egal. Was die Leute eben so reden. Du weißt doch, wie sie sind.
 Ja.
 Boshaft.
 Ja.
 Tiefes Ein- und Ausatmen auf beiden Seiten.
 Was reden sie denn?
 Na, so Zeug halt. Gemeine Sachen.
 Was denn? Jetzt sag doch! (Verlangt Josef tatsächlich von der Mutter. Dass sie ausspreche, was die anderen Schlimmes sagen. Josef! Du müsstest es doch besser wissen.)
 Na, sie haben alle gedacht, weil du so schnell verschwunden bist …

 Wenn die Leute einen schon so fragend ansehen, als ob sie hier jeden kennten. Und dir ansehen, dass du nicht dazu gehörst. Schon rein kleidungstechnisch fällst du doch auf. Kiezkarokord. Hat sich das nicht jetzt mal überholt? Hast du schon neue Schuhe? Nein? Jetzt wirds aber Zeit. Was ist, wenn die jetzt anhält und dich ohne Umschweife fragt: Was treibst du denn hier? Wie bist du hier reingekommen?
 Josef tritt zur Seite und lässt die Dame vorbei. Da bleibt man mal lieber auf der Malve. Was war das noch? Malventee? Kräuterlimonade? Erkältungsbad? Wo sind wir denn hier? Geradeaus steuert Josef auf einen Zaun zu, der eisenstangenbewährt: Wer ist hier jetzt eingesperrt, du oder ich? Im Wohlstandsgürtel eingehakt und festgezurrt. Wie kommt man jetzt da wieder raus?

   … ach Josef, was red ich nur, es hilft ja doch nichts. Es bringt nichts. SEIS DRUM.
  Alles, was ich dir sagen kann und worum ich dich bitte, inständig, Josef, komm nicht zurück. Geh deinen Weg.
  Ich wünsch dir von Herzen alles Gute, viel Glück und Gesundheit, NIX FÜR UNGUT

 Nun, mein Herr Stumpf ? Wie gehts wie stehts? Jetzt ist es Zeit, abzurechnen. Wir haben da noch was offen, erinnerst du dich? Ankommen, Loslassen, Ein­ leben, Entfalten, Runterkommen, Wiederhochkommen. Und nun? Wie sieht es aus? Existenzsicherung Persönlichkeitsentwicklung Talententfaltung? Was hast du geleistet, erreicht, erwirtschaftet? Was kannst du vorweisen? Was kannst du mir geben?
 Was heißt das nun: Leben?

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LÄNGERER AUSZUG aus: Kapitel IX. Allerheiligen. Isolation.

Nur einmal noch, vor drei Wochen etwa, weil grad Nikolaus war und der Weltuntergang ja bevorsteht, hat Josef seine freiwillige Selbstfindungs-Isolationshaft aufgegeben und sich unter Leute gemischt – mit einem Tagesticket für die BVG: schnell noch mal alles sich anschauen, was man noch nicht gesehen, sonst war vielleicht alles umsonst. Alles kaputt.
 Einmal mit dem Bus 100 durch die ganze Stadt: Sightseeing günstig. Wenn man im ersten Stock ganz vorne sitzt, hat man die beste Aussicht. Natürlich sind diese Plätze immer besetzt (muss man gar nicht extra erwähnen). Man freut sich dann, wenn es so schnell dunkel wird, und statt Siegessäule und Zoologischer Garten die Vornesitzer in die Scheibe gespiegelt werden.
 Zum Advent erstrahlt die Stadt im Lichterglanz; in ihrem schönsten Kleid herausgeputzt und stark geschminkt steht sie am Straßenrand und wartet darauf, dass jemand kommt, der Geld dabeihat. Kurfürstenstraße rauf und runter. Und einmal Ku’damm komplett. KaDeWe von von oben bis unten. Das muss sein. Aber die goldigen Auslagen machen schnell müde, frustriert steigt Josef in die U-Bahn. Was soll man hier, wenn man doch nicht dazugehört = kein Kunde ist?
 Doch weil so ein Ticket bis drei Uhr morgens gültig ist und auch ein paar Mark kostet (vom Munde abgespart, sagt die Mutter, wenn sie vor den Weihnachtsfeiertagen einmal extra zum Friseur geht, außer der Reihe sozusagen), fährt man es ab, ganz und gar, bis nichts mehr drauf ist, steigt um in die S-Bahn und schaut mal auf die Karte, so viel kennt man da schon: U6 Hallesches Tor, U15 Kurfürstendamm, S3/5/7/75 Warschauer Straße, U2 Alexanderplatz, U5 Frankfurter Tor, etcetera, etcetera, man ist ja schon fast hier daheim. Was könnte man sich denn noch ansehen? Nord-West-Süd-Ost:
Leopoldplatz. Richard-Wagner-Platz. Innsbrucker Platz. Nöldnerplatz. Wuhletal. Wuhletal? Hatte davon nicht der Vermieter gesprochen? Josef sucht die Karte ab: S7 Berlin-Marzahn. Ja, klar! Neubau, Warmwasser und so. Oh. Das sieht aber weit aus. Nun, was solls! Das sieht man sich jetzt einmal an.
 Als Josef in Marzahn aus der S-Bahn steigt, droht ihn ein Monsterneubaukomplexhochhinausapparat zu erschlagen. Mit riesigen Schritten stampfen die Platten auf ihn zu, neigen ihre Köpfe und leuchten Josef fies ins Gesicht: Was machst du denn hier? Ja, was macht man hier? Was genau wollte man hier eigentlich? Zwei dicke Frauen mit dicken Plastiktüten – Weihnachtseinkauf muss jetzt schnell noch erledigt werden, bevor nachher wieder alles zu spät ist – drängen ihn auf die Seite. HEDA PLATZDA. Neon ist die Farbe der Saison. Josef schluckt. Schon wieder hat man sich da was anders vorgestellt.
 Ohne den Bahnsteig zu verlassen, setzt sich Josef in die nächste Bahn. Scheiß auf das Tagesticket, jetzt will man heim, so desillusioniert bringt das nichts. Überhaupt. Der ganze Trubel nervt und so entspannt ist man noch nicht, dass man noch lange herumschlawinern könnte.
 Ach Josef, mein Josef. Wenn du nur wüsstest. Wenn du nur eine Strategie. Wenn du nur kenntest all die schönen Dinge, Kultur, Tanz und Theater, Spannung, Spiel und Sport: alles, was eben Aggression, Stress und Frustration kanalisiert, abstrahiert, kompensiert.
 Ruhe ist auch gut, natürlich. Ich mein ja nur.
 An der Frankfurter Allee steigt Josef dann doch aus und nicht noch mal um, weil bei der Gelegenheit, wenn man schon mal unterwegs ist, muss man doch noch hier mal im Center vorbei, Ring-Arkaden, großartig, alles in einem Haus. (Was macht man aus den leeren Geschäften an der Straße? Der Reihe nach: Zuschließen. Wohnungen. Künstlerateliers.
 Bastel-Studios. Öko-Shopping. Start-up-Biotope.)
 Im Center ist immer was los. Hier hängen die Jugendlichen rum wie zuhause die Golffahrer an der Tankstelle. Tiefergelegt Breitreifen Boxenbass.
 Schon am Eingang hält ihm eine Elfe ein Stück Wurst unter die Nase: Hier probieren?
 Ja, wie sieht denn die aus? Rotgrünkariert verkleidet mini mini – wo ist denn dein Weihnachtsmann? Josef will schon ablehnen, doch irgendwas blinkt und glänzt da schwarzbraun gefällig ihn an.
 Na gut. Schmatz schmatz. (Eine GREICHERTE ist es nicht.) Nein, kaufen wolle er keine. Aber.
 Natürlich kommt man schnell ins Plaudern, da Josef das Engelsgesicht fragt, ob sie das hauptberuflich mache.
 Natürlich nicht. Die Elfe studiert. Den Job mache sie nur, weil sie gerne abends wegginge, das sei so bei den Studenten, da feierten die meisten, und da wolle sie sich ab und zu auch was gönnen, zwar zahlten ihre Eltern das Studium, aber ihre Cocktails müsse sie sich selber kaufen, also mache sie nebenbei immer so Promotion­sachen und so weiter.
 Da ist auch schon Feierabend und Josef hat auch sonst nichts vor, da könnte man doch – wie, sie muss sich noch umziehen?
 Natürlich geht man in die Simon-Dach-Straße. Da hoppt man jetzt Bar auf Bar.
 An mehr kann sich Josef am nächsten Tage nicht mehr erinnern. Wer wen abgefüllt hat (oder die Rechnung bezahlt), wie man nach Hause gekommen, was sich dort zugetragen. Als Josef aufwachte, war sie schon wieder weg. Er weiß nicht, wie sie hieß, denn sie nannte sich anders.
 Warum in der Stadt alle Bekanntschaften so kurz und überhaupt schwer zu finden sind? Weil niemand mehr weiß, wer er gestern war. Weil es niemand mehr wissen will. Weil wir morgen wieder jemand anders. Weil wir heute noch nicht wissen wollen, wer wir übermorgen. Weil Punkt Punkt Punkt. Alles so vergänglich.
 Nun, was solls. Weihnachten steht vor der Tür. Da erwärmt sich das Herz doch gleich wieder, nicht wahr?
 Nicht wahr?! Josef?

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INFO zum BUCH

EAN 978393983782
ISBN 978-3-939832-78-2
Bestellnummer bei KUUUK 832782

Das Papierbuch erschien am 12. Mai 2015, und das zusätzliche E-BOOK dazu am 1. Juni 2015.

ca. 15,1 cm breit x 21,4 cm hoch
Hardcover
ca. 716 Gramm
484 Seiten
ca. 3,4 cm dick (Buchrücken)

Bestellnummer: 832782 für das Buch JOSEF DER SCHNITZER STUMPF

STICHWORTE | SCHLAGWORTE:

Josef | Schnitzer | Tischler | Schreiner | Exil | Exilant | Sprache | Bayern | Berlin | Metropole | arbeiten | Beruf | Wohnungssuche | Berufssuche | Bekanntschaften | Erlebnisse | schnitzen | Menschen | Massen | 1999-2000 | 1999/2000 | Jahrtausendwechsel | zurechtfinden | Großstadtroman | Stadt-Land-Roman | Dorf | Provinz | Flucht | fliehen | ankommen | abhauen | Enge | Leichen-im-Keller | Zuwanderung | Erlebnisse | Ereignisse | Ortswechsel | Wohnungswechsel | Immigration | Immigrant |ein Bayer | ein Berliner | in Berlin | Zitat von Döblin

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